Vier gotische Altartafeln, die nach Einschätzung von Experten aus dem Kloster Allerengelberg stammen, sind in ihre einstige Heimat im Schnalstal zurückgekehrt. Sie wurden am Samstag, 8. Mai, erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Die Kartause Allerengelberg wurde 1325/26 gegründet und 1782 im Zuge der Josephinischen Reformen aufgelöst. Zahlreiche Schätze aus dem Kloster wurden veräußert, auf den Resten der Anlage entstand das Dorf Karthaus. Nun sind die Tafeln eines Flügelaltars aufgetaucht, die nach Expertenmeinung aus der ehemaligen Klosterkirche St. Michael stammen.
Die Tafeln können in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert werden. Sie wurden den Bozner Kunstauktionen zum Verkauf angeboten und konnten auf Initiative des Kulturvereins Schnals mit finanziellen Mitteln der Gemeinde Schnals angekauft werden. Nach Einschätzung der Kunsthistoriker Hanns-Paul Ties, Carl Kraus und Leo Andergassen stammen sie von einem belegten Corpus-Christi-Altar. Bei den vier beidseitig bemalten Tafeln handelt es sich um die beweglichen Seitentafeln, die zum Schließen des Flügelaltars dienten.
An ihren Außenseiten sind Szenen aus dem Leben Mariens dargestellt. Daneben befindet sich hier das Stifterbild, das Auskunft auf die Herkunft gibt: Neben Johannes dem Täufer und dem Kartäuser Bischofsheiligen Hugo von Lincoln ist hier ein Kartäusermönch zu sehen und im Hintergrund eine stilisierte Klosteranlage. Die pyramidenförmigen Dächer der Anlage erinnern an eine historische Ansicht der Kartause Allerengelberg.
Die Innenseiten der Tafeln schmückt ein Passionszyklus. Sie sind besser erhalten als die Außenseiten, klar erkennbar ist der hochwertige Goldgrund. Die Tafeln sind qualitätvoll im höfischen Stil der Gotik gearbeitet.
Zur Präsentation lud der Kulturverein Schnals. Präsident Dietmar Rainer begrüßte die Anwesenden, Leo Andergassen und Hanns-Paul Ties beschrieben das Bildprogramm und ordneten die Tafeln in den größeren Tiroler Kontext ein. Anwesend waren auch Bürgermeister Peter Grüner und Kulturreferent Otto Rainer. Letzterer bedankte sich beim Kulturverein Schnals für den Einsatz im Tal, der diesen Ankauf erst möglich gemacht hat.
Anschließend wurde die jüngst restaurierte Holzskulptur von Adolf Vallazza präsentiert. Sie war 2002 nach einer Ausstellung des Künstlers am Eingang zum Kreuzgang platziert worden, war aber nach fast 25 Jahren im Freien durch Wind und Wetter gezeichnet, wodurch eine Restaurierung notwendig wurde.
Die gotischen Tafeln blieben bis 16. Mai in der Pfarrkirche von Karthaus ausgestellt, an einem langfristigen Ausstellungskonzept und an einer fachgerechten Restaurierung wird gearbeitet.